Romy in Norwegen

Dort, wo nicht mal mehr der Pfeffer wächst...
 

Meta





 

Tohuwabohu

Nein, ich bin nicht gestorben und auch nicht im Fjord abgesoffen.  Hier bin ich wieder! Jetzt komme ich endlich mal zum Bloggen, nachdem die ganze letzte Woche ein einziges Durcheinander war.

Gleich mal vorneweg, ich bin nicht mehr in Skien. Oha? Das hat viele verschiedene Gründe, aber vor allem, dass mir letzte Woche aus heiterem Himmel eröffnet wurde, dass meine Familie Ende November nach Bergen an die Westküste ziehen will.  Aha? Bitte? Ganz toll. Und ich? Gehe mit Sicherheit NICHT mit. Das ginge auf keinen Fall, da ich hier im Süden bleiben will. Telemark oder Vestfold, weiter geh ich nicht weg, da war ich stur. Ich hab hier meine Freunde, mein Netzwerk, ich fang nicht irgendwo anders bei Null an. Zurück nach Deutschland? Tonje hätte mir den Flug auch bezahlt. Das schlug mir dann Lene vor und dagegen protestierte ich dann noch vehementer. Kommt gar nicht in die Tüte! So schnell kriegt mich nichts aus Norwegen raus, da wird nicht einfach aufgegeben.

Also musste eine neue Familie her. Nachdem ich zwei Tage lang wie eine Blöde auf jeder Au-Pair-Seite gepostet hatte und ungefähr gefühlte 20 Familien angerufen habe, hatte ich schließlich zwei Termine in Tønsberg, Vestfold. Zwar näher an Oslo, aber auf keinen Fall in Oslo. Da wimmelt es zwar von Angeboten, aber so weit wollte ich nicht weg. So gab es Diskussionen ohne Ende und ich hab Samstag Abend ziemlich entnervt meine österreichische Freundin Verena angerufen und sie hat mich mit Sack und Pack abgeholt und damit war ich dann erstmal weg aus Skien.  Was soll ich denn machen? Hier gibt es kaum Familien und die zwei hier waren die einzigen, die jemanden wollten - das allerdings ab sofort. Blieb mir also nichts übrig, als nach Tønsberg zu tigern. 45 km westlich und ich war erstmal ziemlich angekotzt.

Jedoch stellte sich diese Stadt, in der ich vorher noch nicht mal gewesen bin, in der folgenden Woche als absoluter Glücksgriff heraus: Zwar hat dieses ulkige Städchen hier am Meer nur 30.000 Einwohner, dafür eine lebendige - zu meiner Überraschung weitaus mehr lebendigere als die 50.000-Leute-Stadt Skien - Innenstadt mit einem riesigen Einkauszentrum (Pluspunkt!), einer langen Hafenpromenade voll mit Clubs und Bars (Pluspunkt!), einem Sandstrand (Pluspunkt, wenn auch momentan arschkalt!) und der Nähe zum Flughafen (15 Minuten, ganz dicker Pluspunkt!  Leute, kommt her!).

So bin ich jetzt also über die Woche bei Verena in einem Ferienhäuschen in Skallevoll, einem Randbezirk von Tønsberg. Diese ist Halb-Norwegerin und urlaubt zur Zeit im Haus ihrer Eltern und findet entweder auch bald einen Job hier oder geht zurück nach Tirol. Das wär schlecht. Also tun wir uns zusammen hier.

Wie auch immer, ich hatte am Ende zwei Zusagen von Top-Familien, bei denen mir die Entscheidung wirklich total schwer fiel: Die eine war eine alleinerziehende Mutter, Chefin von einem Color Line Schiff (ja, das sind diese dicken Dampfer, die von Kiel aus losschippern) mit einem Sohn. Mehr oder weniger bescheidenes Häuschen, 3 Autos, Yacht im Hafen, Jacuzzi im Garten. Nicht übel. Die zweiten Kandidaten wollten mich ebenfalls haben: Alleinerziehender Papa mit zwei Kindern, altes Bauernhaus aus dem 19. Jahrhundert mit einem Zimmer, bei dem Verena und mir echt die Schublade runtergefallen ist (Kronleuchter, offener Kamin, bodenlange Fenster - Stolz und Vorurteil lässt grüßen, Allegra wäre mit Sicherheit umgekippt. )  Aber das soll ja nicht Grund sein. Hab mich also für Familie Nr. 1 entschieden, weil das schlagende Argument Bushaltestelle vor der Tür (man muss ja mobil sein) und vor allem Gästezimmer (O-Ton: "Du kannst Besucher haben, wann immer du willst!" mich überzeugt hatten. Das hätten wir also auch gelöst. Siehste, hätte ich in Skien nicht gehabt.

Prima, nun wohne ich also in Tønsberg, Sonntag ist Einzug. Und fast schon ein kleines bisschen ironisch, dass ich ausgerechnet hier lande. (Wir wissen ja, wer hier wohnt. Hans ist in Skien nur das Bierglas aus der Hand gefallen, als ich ihm das erzählt hatte). Mir blutet zwar wirklich das Herz, das ich aus Skien weg bin, aber geht wohl nicht anders, wenn ich im Süden bleiben will. Ich weiß zumindest jetzt schon, dass ich wohl fast jedes Wochenende rüberfahren werd, um meine Freunde zu sehen, auch wenn ich mir hier wohl genauso nach und nach ein Netzwerk aufbauen werde. Und auch, wenn die Stadt hier um einiges sehenswerter ist und Besucher aus Deutschland hier wenigstens ein bisschen ;-) was angucken können, hängt mein Herz doch an der Stadt, in der ich einfach immer schon war, seit ich nach Norwegen kam. 

Morgen Abend geht's jedenfalls erstmal wieder ins Nachtleben - wie letztes Wochenende - das ist hier ebenfalls superschön (wie gesagt: Direkt am Hafen! Fantastisch! Miami Vice Feeling vom Feinsten! Na gut, müsste ein bisschen wärmer sein, aber nach ein paar Aquavits passt das schon... ).

Ich hab noch einige Erlebnisse zu berichten, aber für heute sollte es mal reichen. :-) (Sonst beschwert sich Steffen wieder, dass ich so viel schreibe. Leset mehr und bildet euch.)

Das Wichtigste ist für mich jedenfalls, dass ich in Norwegen bin. Deutschland kommt für die nächste Zeit glaub ich wirklich ganz gut ohne mich aus - ich will momentan einfach nur hierbleiben. Und das werde ich auf jeden Fall irgendwie hinkriegen - so oder so.

Mange hilsen fra Norge,

Romy

27.8.09 16:25

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen