Romy in Norwegen

Dort, wo nicht mal mehr der Pfeffer wächst...
 

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Wonderwall

Wort des Tages: Sjoko-Kake (Schokokuchen)

Ich sitze auf dem Sofa und schaue Punkt 9 auf RTL, um noch ein bisschen mitzukriegen, was in Deutschland so los ist. Und wie kühlen Sie sich bei dieser Hitze ab? Leute, kommt nach Norwegen! Hier habt ihr einen Top-Sommer! Draußen herrscht jetzt Nebelsuppenwetter. Ich glaube, ich bin noch nie im August mit Mantel aus dem Haus. Ich staubsauge jetzt jedenfalls gleich erstmal und mache mir dann meine Lachs-Pesto-Penne warm (die übrigens genial geworden sind, aber vielleicht war 1 kg doch ein bissel viel).

Außerdem habe ich heute neben meinen Halsschmerzen (scheiß Wind) einen ganz derben Brand. Das kommt daher, dass ich gestern Abend mit Hans, Steffen (Pedersen, da grüß ich doch mal meinen fast gleichnamigen Cousin) und Reinert unterwegs war. Irgendwie kommt das wohl von alleine, dass ich genau wie in Deutschland viel lieber mit Jungs unterwegs bin. Bisher mein schönster Sommerabend, auch wenn es kühl war. Denn wir waren außerhalb von Porsgrunn in einem Studentenhaus, wo ein Konzert stattfand, viele Leute drinnen und draußen herumstanden, im Garten auf vielen Bänken geredet und gelacht und ordentlich Øl (ja, das ist das norwegische Wort für Bier) gekippt wurde. Und das dienstags. So. Wenn du da erstmal dabei bist, ist nichts mit einem Bierchen und gut ist. Dir wird einfach immer eine neue Flasche Øl hingestellt, ganz egal, ob die alte schon leer ist oder du unterm Tisch liegst. Ich weiß ehrlich gesagt auch gar nicht mehr, wo das ganze Bier herkam. Nach dem fünften Carlsberg hab ich dennoch aufgehört, sonst wäre ich heute nicht aus dem Bett gekommen. Und bezahlen lassen hat mich irgendwie auch keiner, ich durfte nicht mal die Busfahrkarte, geschweige denn das Taxi, das mich 10 km nach Hause gebracht hat, übernehmen.

So hatte ich viel Spaß, irgendwann saßen wir zu acht am Tisch und ich hab mich weggeschmissen vor Lachen über Maria, die rotzevoll war und einen so derben Schluckauf hatte, dass sie keinen Satz ohne Hicks zustande brachte.

Die norwegischen Mädchen sind sehr anders als die deutschen (mal abgesehen von dem typischen skandinavischen Gesicht mit den hohen Wangenknochen). Sie sind vor allem sehr emanzipiert, laut und selbstbewusst. Ich bin jetzt einfach mal etwas gemein und verallgemeinere die Mehrheit zu einem Gesamtfazit: Die durchschnittliche Norwegerin ist sehr kurvig, wiegt ca. 70 kg, geht sehr gerne ins Solarium und färbt entweder die ohnehin meist schon blonden Haare mit Wasserstoffperoxid oder ganz dunkelbraun. Als Kleidung trägt sie gerne sackartige Tuniken, ausladende, derbst unvorteilhafte, auftragende Kleidchen (das ist echt irre, wie sich das hier verbreitet hat) oder weite Hängerchen über Leggins/extrem engen Röhren, in denen die Beine aussehen, als wären sie gleich mit eingenäht worden. Trotzdem sind die meisten sehr hübsche Mädchen.

Ich war also das tyske jente, das deutsche Mädchen und somit ein kleines Event. Einige demonstrierten auch gleich hochentzückt ihre Deutschkenntnisse: Oktoberfest, Sauerkraut, Kartoffel, Hitler, Blitzkrieg. Bewundernswert.

Themen am Tisch waren aber vor allem die Sprache, die Dialekte, die Kulturen, die Unterschiede. Und auch dieses Volk hat einen ausgeprägten Nationalstolz („Du weißt, wir sind nun mal Wikinger!“ - und die Schweden seien eh Deppen). Norweger sind allgemein eigentlich eher skeptisch gegenüber neuen Leuten, aber wenn man sich erstmal richtig anfreundet, hat man unter Garantie einen Freund fürs Leben. Das ist schön und bei den Deutschen leider oft nicht der Fall. Auf jeden Fall habe ich viele neue Leute kennengelernt und da so zu sitzen, in Norwegen zwischen den ganzen Studenten - die Atmosphäre ist einfach ganz anders als in Deutschland, die Leute netter und es passt einfach alles zusammen. (Studenten zuhause, macht bitte ein Auslandssemester hier!)

Vorhin habe ich die Kids weggebracht und bin auf dem Rückweg in der Sonne durch die morgendliche Nachbarschaft geschlendert, Oasis‘ Wonderwall im Ohr, mein Schatten auf der Straße. I don‘t believe that anybody feels the way I do about you now. Blick auf den Bratsberg. Dabei fiel mir auf, dass ich exakt dasselbe auch letzten Oktober dort oben gemacht hatte, als ich das erste Mal hier war. Selbes Lied, selbe Uhrzeit, selber Sonnenschein. Jener war auch der Morgen gewesen, an dem ich beschlossen hatte, hier irgendwann mal länger zu bleiben. Und mir fiel außerdem auf, dass das schon wieder fast ein Jahr her ist. Und hier bin ich nun wirklich.

Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist und wie viel sich seitdem verändert hat. Damals war ich nicht unbedingt glücklich, als ich die Straße entlang gelaufen bin, eher das Gegenteil.

Ja, es hat sich viel verändert, vor allem der Grund, warum ich hier bin. Wäre ich aber damals nicht hierhergekommen, hätte ich womöglich dieses Land nicht entdeckt, hätte meine Freunde hier nie gekannt und wohl die wahrscheinlich beste Zeit meines Lebens verpasst.

And after all, you‘re my Wonderwall.

Heute musste ich lächeln.

Ha det bra,

Romy

20.8.09 20:36

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