Romy in Norwegen

Dort, wo nicht mal mehr der Pfeffer wächst...
 

Meta





 

Gudbrandsdalsost forever - oder ein enttäuschendes Kvikk Lunsj

Ich wette, ihr habt länger als drei Sekunden gebraucht, um das erste Wort überhaupt zu lesen und für die Aussprache bräuchtet ihr wahrscheinlich noch mal so lange. (Güd-brans-dals-ust). Was ist das überhaupt?

Die Rede ist von norwegischem Braunkäse. Das erste Mal hat mir Hans vor ein paar Monaten davon erzählt, der konsumiert das Zeug nämlich schon fast im Drogenmaß. Und das sieht so aus:

…Ja, genau das hab ich auch gedacht.

Ich hab mir auch erklären lassen, warum dieser seltsame, glattglitschige Würfel, der eine schon fast vulgär braune Farbe hat, überhaupt so aussieht. Die Milch wird so lange gekocht, bis sie dunkel wird, bzw. der Milchzucker karamellisiert. Daher auch der süße Geschmack, denn Gudbrandsdalsost schmeckt nach Karamell. Kein Scherz, aber das klang so abartig ekelhaft, dass ich das unbedingt probieren musste.

Von Tonje weiß ich auch, die Norweger hassen ihn entweder oder sie lieben ihn, dazwischen gibt es nichts. Und ich wäre das erste Au Pair (ich bin Nr. 4), die das Zeug nicht ausspucken würde.

Also bin ich zum Meny getigert und hab mir so ein Würfelchen im Maß 10x10 cm gekauft. Gibt’s auch in XXL, aber man muss ja sein Schicksal nicht unnötig herausfordern. Nachdem ich also eine millimeterdünne Schicht abgeschabt und auf einer Scheibe Brot probiert hatte, hab ich erstmal ein paar Sekunden gebraucht, aber dann ging’s los: Ich hab fast den ganzen Würfel vernichtet.

Ich weiß nicht, ob meine Geschmacksnerven zu abgehärtet sind, aber ich hab eine neue Sucht entdeckt. Sollte meiner Familie mal so einen runterschicken, aber ich bin mir fast sicher, dass den keiner essen würde.

Ich jedenfalls war eben noch mal am Kühlschrank, es ist fast Mitternacht und ich musste unbedingt noch ein Stück haben. Jetzt haben wir keinen mehr. Muss ich morgen noch mal in den Supermarkt. Bitte Platz machen im Kühlschrank, das wird ausarten.

Heute Nachmittag kam dann doch mal die Sonne raus, aber ohne Jacke ging es dann doch nur auf der Terrasse mit einem heißen Kaffee in der Hand. Der Wind ist wirklich arschkalt, aber interessanterweise scheint mir Frank der Abgehärtetere von den beiden zu sein - obwohl Tonje hier die Norwegerin ist. Der saß nämlich im ACDC-T-Shirt auf seinem Liegestuhl, während seine weitaus windempfindlichere Frau in Helly-Hansen-Montur wie ein Michelinmännchen aussah. Darüber hat er gelacht und überhaupt, seine Frau würde ja (O-Ton) bei einem Furz schon einen Orkan ankündigen.

Ansonsten hat mich heute mein guter Freund Christian aus der Nachbarstadt Porsgrunn (sprich Poschgrünn, die nahtlos in Skien übergeht) mit zwei weiteren Kumpanen abgeholt und wir sind am Spätnachmittag nach Larvik gefahren. Larvik ist eine schöne Küstenstadt ca. 20 Minuten östlich von hier. Auch die Fähre aus Kiel kommt dort an.

Schön waren auch die Nachnamen der drei Jungs: Andersen, Kristensen, Johannsen. Ich glaube, ich passe hier gut ins Bild.

Um noch mal auf das Essen zurückzukommen, bin ich bisher glücklich und zufrieden mit der skandinavischen Küche. Am ersten Tag gab es Fiskeboller (Fischbuletten aus Lachs oder Steinbeißer - hammermäßig gut) mit Sandefjord-Butter (hart gekochtes Ei mit Knoblauch in flüssiger Butter - genial, macht das mal nach!) und heute Kjøttboller (Ihr dürftet die schwedische Version von Ikea kennen) mit Tyttebær. Das ist nicht wie man vermuten könnte, ein Bär mit ausgeprägter Brust, sondern sind Preiselbeeren. Ich liebe das Essen hier.

Bis jetzt liebe ich hier generell alles und verstehe voll und ganz, wenn so viele Deutsche hierhin auswandern. Ist wohl auch Geschmackssache, aber ich hab mit Norwegen auch kulturmäßig auf jeden Fall mein Land gefunden und könnte mir wirklich selbst vorstellen, irgendwann hier zu leben. Aber soweit denken wir erstmal noch nicht, jetzt liegt erstmal dieses schöne Jahr vor mir, von dem ich jetzt schon weiß, dass es wohl viel zu schnell vorbeigehen wird.  Aber die anderen vier deutschen Mädels hier in der Stadt sind alle nach einem ursprünglichen Au Pair-Jahr früher oder später wiedergekommen und leben jetzt hier. Soviel also dazu.

Vorhin war ich noch kurz bei Lene und auf dem Heimweg fix an der Statoil - praktisch, ich wohne direkt neben einer Tankstelle - und hab mir mal testweise einen Schokoriegel namens Kvikk Lunsj gekauft. Der schmeckt allerdings exakt wie unser deutsches Kit-Kat und sieht auch so aus. Doof. Würde mich nicht wundern, wenn das derselbe Hersteller ist. Aber gibt ja noch viel zu probieren hier.

Ich werde die nächste Zeit wohl noch öfters in die Tankstelle gehen, sind ja nur ein paar Meter. Nicht zuletzt arbeitet da ein außergewöhnlich hübscher Kerl (Irgendwie ist das langsam eine komische Geschichte mit meinen Tankstellen-Norwegern und alleine deswegen lohnt sich der tägliche Einkauf da schon. Hach ja. Gucken darf man ja noch. Jetzt geht’s auf jeden Fall in mein kuscheliges Holzbettchen. Morgen geht der Alltag los, die Ferien sind zu Ende. Schau mer mal, was das wird - ich bin gespannt.

Hilsen fra

Romy

16.8.09 00:47

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen