Romy in Norwegen

Dort, wo nicht mal mehr der Pfeffer wächst...
 

Meta





 

Første dag!

Da wachst du nach einer schon lange nicht mehr so angenehm ruhigen Nacht auf, schwingst dich voller Elan aus dem knarrenden Holzbettchen und reißt die Vorhänge voller Vorfreude auf den ersten Tag auf.

Und es schifft aus Eimern. Willkommen in Norwegen.

Das Wasser rann eimerweise in Bächen die Straße runter und war mehr als zum Davonlaufen, aber ich hab gegen Nachmittag dann doch mal nen Fuß vor die Tür gesetzt, um meinen obligatorischen Rundgang zu machen. Erster Gedanke: Scheiße, ist das kalt.  Also noch mal rein und Pullover, Mantel und Stiefel an. Hm. Immer noch kalt. 8 Grad. Mein Schirm hat sich nach 5 Minuten in eine Tulpe verwandelt. Hallo Sommer. So macht der August doch gleich richtig Spaß.

Jedenfalls war es am Abend dann auf unerklärliche Weise doch einige Grad wärmer - aha, Regen und Wind machen doch sehr viel aus! - und ich bin mit meiner halbnorwegischen Freundin Lene (wohnt nur ein paar Meter entfernt und ist ebenfalls hochgezogen, weil ihr Deutschland sonstwo stand) losgezogen. In der Stadt dann zwei norwegische Freunde von mir getroffen, Hans und Kenneth, und dann ging’s ab zu Tante Sofie (ein Großraum-Pub. Davon gibt‘s hier dann doch recht viele).

In Norwegen ist das nicht so ohne mit dem Alkohol, aber das ist allgemein bekannt. Hier wird um einiges mehr gesoffen als in Deutschland. Trotz Verbot des Alkoholkonsums auf offener Straße und trotz des Mindestalters von 20 Jahren in den meisten Bars. Hier also eine kleine Lektion zum norwegischen Helgefyll (Wochenend-Suff):

Der Abend beginnt mit einem Vorspiel, bei dem erstmal privat vorgeglüht wird. Und wenn dann alle Teilnehmer einen bereits grenzwertig hohen Promillepegel haben, geht es - vorausgesetzt, man kann noch gehen - schließlich in die Stadt. Da wird heiter weiterkonsumiert und der Abend endet schließlich irgendwann wieder privat mit einem Nachspiel, wo - welch Überraschung - noch mal eine Ladung Schnäpse gekippt werden. Strebt man nach seiner Rückkehr nach Deutschland nicht gerade einen direkt anschließenden Aufenthalt in einer Entzugsklinik an, wäre es ratsam, sich hier also etwas zurückzuhalten.  Denn hier könnte selbst ein erfahrener deutscher Trinker kaum mithalten.

Ich hab dann im Laufe des Abends noch Steffen, Marius und Aleksander kennengelernt. Man kennt sich ja von Facebook. (Ja ja, die Welt wächst zusammen.) Die Herren kannten mich allerdings noch über eine andere Geschichte eines gemeinsamen Freunds, mit dem ich aus vielerlei Gründen keinen Kontakt mehr pflege. (Lustig irgendwie, wenn man bedenkt, dass ich durch den guten Mann erst überhaupt im Oktober nach Norwegen gefunden habe. Sollte also dankbar sein dafür. ) Und ich habe herausgefunden: Skandinavisches Bier (Hansen?) schmeckt gar nicht so schlecht. Nur beim Preis vergeht einem der Durst recht schnell, also besser nicht auf die Karte gucken, sondern einfach bestellen, brav seine knappen 8 Euro blechen und gut ist.

Ja, Norwegen ist teuer, sehr teuer sogar. Man muss hier haushalten mit dem Geld, aber man kommt gut aus damit. Ich weiß von gewissen Leuten, die in einer Tankstelle gejobbt haben und in der Woche bis zu umgerechnet 700 € eingefahren haben. Da kann man dann doch schon mal neidisch werden.

Mit der Sprache hab ich ja, seit ich das letzte Mal hier war, enorme Fortschritte gemacht. Selbst merkt man das gar nicht so, vor allem, weil ich nicht aktiv gelernt hab, sondern einfach nur über Medien, sprich Radio, Fernsehen, Zeitung und über Freunde das meiste aufgegriffen habe. Aber ich kann den meisten Unterhaltungen gut folgen und hab heute auch einige Gespräche auf Norwegisch geführt, wenn auch manchmal doch zwischendurch auf Englisch, weil mal wieder eine Vokabel gefehlt hat. Hans war trotzdem stolz auf mich, denn der kennt meine katastrophalen Anfänge. Egal, das muss auf jeden Fall perfektioniert werden, ich hab auch Tonje dazu verdonnert, mit mir ab sofort nur noch Norsk zu sprechen. Wozu bin ich denn bitte hier?

Übrigens sind die meisten norwegischen Männer absolute Gentlemen. Ich wurde von Hans und Kenneth - auch wenn ich mehrmals betont hab, dass das nicht nötig sei und ich gut alleine laufen kann, aber vor allem ersterer hat schon fast mit militärischer Durchsetzungskraft darauf bestanden - etwa einen Kilometer lang nach Hause geleitet. Man lässt ja die Dame nicht alleine im Dunkeln gehen. Nett, so was.

Nun gut, aber mit den beiden bin ich auch schon lange befreundet.

Soviel jedenfalls mal zu heute. Bis jetzt beobachte ich nur sehr viel und sauge alles wie ein Schwamm auf. Ich glaube, da werden in Zukunft noch einige Anekdoten folgen…

Mange hilsen,

Romy

15.8.09 23:52

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