Romy in Norwegen

Dort, wo nicht mal mehr der Pfeffer wächst...
 

Meta





 

Norge, jeg er tilbake - Norwegen, hier bin ich wieder ;-)

So, da bin ich nun. Vier Monate ist es her, seitdem ich das letzte Mal hier war. Aber fangen wir doch mal ganz von vorne an, angefangen hat meine Norwegen-Freakerei ja letztes Jahr bei meinem ersten Besuch (ausgelöst durch hier ansässige Freunde - die meisten dürften die inzwischen sehr lange Geschichte ja kennen ). Aber damals im Oktober hatte es Klick gemacht. Schon im Flugzeug. Ich war in Finnland, ich war in Estland, ich weiß, wie der Norden Europas aussieht. Ich bin skandinavien-erprobt. Aber Norwegen war anders, da war beim ersten Besuch eine Verbindung da, die ich bisher nicht hatte. Schlüsselerlebnis, das danach bei mir eine Lawine von norwegischer Popmusik, norwegischem Radio, norwegischer Sprache und allem Pipapo losgetreten hatte.

Ich wollte hier wieder hin. Nicht nach Oslo oder nach Bergen, auch, wenn diese Städte in touristischer Hinsicht vielleicht schöner sind. Ich wollte in dieses Nest, genau diesen einen Au-Pair-Job, den einzigen in der ganzen Stadt, und dieser immense Drang hat mich auch nicht daran gehindert, im März einfach hochzufliegen, hier an der Tür der Familie Lüdke zu klingeln und zu sagen: “Hei, hier bin ich, ich bin euer neues Au Pair.” 45 Bewerbungen - eine hat’s geschafft. Mit Schwarzwälder Schinken, dem Bestechungsgeschenk #1. Ätsch.  Selbst ist die Frau.

Und hier bin ich nun, in Skien (sprich: Scheen), einer typisch norwegischen Kleinstadt. 50.000 Einwohner, Hafen, zwei Stunden westlich von Oslo. Eigentlich kein Ort, an dem Touris Urlaub machen - es sei denn, sie sind Henrik-Ibsen-Fans. (Der war nämlich der berühmteste Sohn der Stadt. Und hat das Theaterstück Peer Gynt gemacht. Gibt auch Musik von Edvard Grieg dazu: Morgenstimmung. Kennt ihr, googelt mal.) Aber ich hab die Stadt ins Herz geschlossen. Skien ist eigentlich ein ganz aktives Örtchen, auch wenn es manchmal wie ein verschlafenes Nest wirkt, vor allem im Winter. Bis auf den Telemarkkanal und das Ibsen-Haus/Museum gibt’s hier nicht viel. Ein kleines Einkaufszentrum mit einem H&M ist hier schon das Highlight. Aber die Norweger sind ein glückliches Völkchen. Die Menschen leben gerne hier, das merkt man ihnen an. Sie sind generell viel naturverbundener als in Deutschland. Das merkt man an den Lebensmitteln, an der Kleidung, an der Musik, an den Nachnamen. Und die Leute sind auch zufriedener als in Deutschland. Das zeigt deren konstant, wirklich konstant, manchmal fast schon zum Kotzen guter Laune (wenn man wirklich einen Scheißtag hat und die Norweger dich trotzdem freudig anstrahlen wie ein Atomkraftwerk, findet man das manchmal nicht so toll) und die Tatsache, dass hier extrem viele Deutsche leben. Was ja irgendwo auch kein Wunder ist, bei unserer Wirtschaft. Die Arbeitslosenquote liegt hier bei 2%, das Leben hier ist schweineteuer, aber man lebt hier trotzdem besser für sein Geld. Soll unsereins erstmal nachmachen. Und jetzt kommt ihr da unten. So. Meine Ankunft jedenfalls war ein Event. Ging ja schon am Düsseldorfer Flughafen los - nein, davor. NATÜRLICH hab ich monatelang Zeit zu packen gehabt und NATÜRLICH hab ich erst 48 Stunden vor der Abreise damit angefangen. Aber 2 Stunden vor Abflug hatte ich schließlich meine 56 kg Gepäck (!) zusammen - nur das Nötigste natürlich - und war schon Angst und Bange vorm Check-In-Schalter, der mir nur 40 kg Freigepäck & 10 kg Handgepäck erlaubte. Ohne Schummeln ging’s da auch nicht, das hieß mein 5-kg-Notebook in die Kingsize-Handtasche und los ging’s. Nur hat das dem ulkigen Zollbeamten an der Röntgenkontrolle, der aussah wie Roberto Blanco, gar nicht gefallen. Also Notebook ein zweites Mal durch den Apparat gejagt. Noch ein drittes Mal, Akku separat. Und noch ein viertes Mal zur Sicherheit. Könnte ja doch sein, dass ne Atombombe drin ist. Man weiß ja nie.

Gegen 22 Uhr bin ich dann in Oslo-Gardermoen gelandet. War auch eine Premiere für mich, da ich sonst immer mit Ryanair - man spart ja, wo man kann - den Regionalflughafen Sandefjord angeflogen bin. Gardermoen hat mich stark an Helsinki erinnert. Das heißt: Feinster dunkler Parkettboden im Flughafengebäude. Sowas gibt’s bei uns nicht. Und da war mein High-Gefühl wieder, als der Landeanflug ankam. Natürlich wie immer stilecht mit Summer Moved On im Ohr, wie beim ersten Mal im Oktober damals. Hätte mein Grinsen Volt, ich hätte Las Vegas beleuchten können. Die Stewards dachten wohl auch, dass die eine in Reihe 20 nicht mehr richtig tickt.

Raus ausm Flughafengebäude, rein ins warme Auto. Familienvater Frank, Tiefbauingenieur in Oslo und extremer ACDC-Fan, hat mich abgeholt. 2 Stunden Heimfahrt über Drammen, Kongsberg, die Serpentinenstrecke runter durch den Wald bis nach Skien. Aber Frank fährt normalerweise Motorrad und so ist er gern mal die Serpentinen mit 140 Sachen durchkurvt. Auch auf der Gegenfahrbahn. Aber in Norwegen fahren sowieso alle wie die gesengte Sau, hier gibt’s auch mehrere Irre, die mit Tempo 100 die Hauptstraße entlang rasen. Jetzt auch wieder, hört man draußen auf der Straße. Die spinnen, die Wikinger.

Auf dem Heimweg jedenfalls ein Kaffee bei Statoil (Tankstelle. Mir sind norwegische Tankstellen ja allgemein nicht so geheuer, das dürfte einigen auch bekannt sein ) und ein Elch am Fahrbahnrand. Womit das Klischee Nr. 1 schon mal bestätigt wurde. Ja, ein Elch. Da habt ihr euer Bilderbuch-Norwegen. Kein Hirsch. Ein richtiges Monstrum mit Geweih. (Frank jagt die aber auch gern im Herbst und brät die dann. Lecker.)

Um 2 dann zuhause, ab in die Falle und dann erstmal Schlaf nachholen. Herrlich war das.

Zunächst was zu meinem neuen Zuhause. Natürlich ein drolliges norwegisches Holzlattenhäuschen. (Ich liebe diese Dinger. Vor allem die roten. Aber leider ist meins weiß.) Mein Zimmerchen umfasst ganze 10 m², Decke, Wände, Boden komplett aus Holz, einen großen Fernseher (nur norwegische Programme, aber das macht ja nichts, kommt eh nur Müll im deutschen TV - gibt’s auch nur im Wohnzimmer), ein Regal, ein Schreibtisch, ein Schrank, ein großes Fenster mit Blick in den Garten und auf weitere bunte Häuschen. Zudem ein selbstgepflücktes Margaritensträußlein von Leonie und ein selbstgemaltes Bildchen von Marlene an der Pinnwand. Hallo Romina. Fein.

Womit wir auch schon bei der Familie wären. Bombenfamilie übrigens. Diese beinhaltet:

Zunächst Frank, 40 Jahre alt (hat am selben Tag Geburtstag wie ich. Das ist schon witzig, aber noch kurioser ist, dass fast die ganze Familie innerhalb der ersten Septemberwoche Geburtstag hat. Freu mich schon aufs Marathon-Kuchenbacken in zwei Wochen.). Frank kommt ursprünglich aus Gießen, hatte aber Deutschland satt - gleich mal schön ins Fettnäpfchen gesetzt, als ich unwissend damals im März meinte, dass Freiburg wunderschön sei, es gäbe ja auch viel grausigere Städte wie Bochum oder eben Gießen. Ups.  Aber er teilte meine Meinung und genommen haben sie mich ja trotzdem.  - jetzt Tiefbauingenieur in Oslo, unter der Woche mit dem Motorrad dort und nur am Wochenende zuhause. Außerdem wie oben genannt leidenschaftlicher Rockmusik-Hörer, und das gerne rund um die Uhr, auch beim Ikea-Schrank-Aufbau.

Dann haben wir da Tonje, Mutter und Norwegerin. Spricht aber so perfekt deutsch, dass ich anfangs gar nicht wusste, dass sie Norwegerin ist. Schulpsychologin und stadtaktiv. Und bäckt unglaublich geniale Canelboller (Zimtschnecken).

Und schließlich die drei Töchter. Sowas von süß. Marlene 10, Leonie 4 und Emma 2. Natürlich alle strohblond, außerdem top erzogen. Die Kids wachsen zweisprachig auf, was bei ersten beiden schon relativ gut funktioniert. Die Kleinste hat noch Übungsbedarf - dafür bin ich ja da - und mixt die Sätze gern. Da hört man dann schon mal: “Kan du gi mir ein Potet?“ (Kannst du mir eine Kartoffel geben?) Marlene ist bekennender Hannah-Montana-Fan (die gibt‘s ja überall - diese Miley Cyrus muss sich dumm und dämlich verdienen) und Leonie und Emma kleben förmlich an mir und wollen entweder ständig bei mir oder am besten gleich auf mir sitzen. Da gibt’s dann schon mal Galama, wer auf welchem Bein von mir Platz nimmt. Daher auch die ständigen Streits am Esstisch, weil ich nun mal nur zwei Beine zum Draufsitzen habe oder nur zwei Stühle neben mir. Blöd, so was. Wir bräuchten einen runden Esstisch und ich mehr Beine.

Soviel mal zu heute. Wenn ich dazu komme, geht’s morgen weiter.

Mange hilsen fra Norge,

Romy

14.8.09 23:44

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