Romy in Norwegen

Dort, wo nicht mal mehr der Pfeffer wächst...
 

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Die nächsten Tage leider keine Blogs.. ich hab einfach nicht die Zeit dazu.

Trotzdem etwas - stays commentless.

 

2.11.09 01:20, kommentieren

Hier bin ich wieder...

So, jetzt endlich mal wieder eine Rückmeldung meinerseits, der letzte Eintrag ist ja schon prähistorische 3 Wochen her...wird also mal wieder höchste Zeit für ein Update!  Viel passiert in den letzten Wochen, sehr viel Stress, kaum Zeit und noch dazu ging's mir vor eineinhalb Wochen noch ein paar Tage relativ beschissen, was aber die meisten von euch wahrscheinlich sowieso mitbekommen haben. Nun ja, auf jeden Fall bin ich jetzt wieder voll auf dem Dampfer.  (Oder besser gesagt Kirsten, die ist nämlich grade wieder in Dänemark).

Es ist Herbst geworden, das Laub stapelt sich vor der Tür und morgens aufzustehen wird auch langsam aber sicher ungemütlich. Was aber noch lange nicht heißt, dass es mir hier nicht mehr gefällt - im Gegenteil, ich bin nach wie vor sehr glücklich hier und will auch nicht so schnell weg.

So gab es also vorletzte Woche diesen etwas bösen Zwischenfall, als ich samstagabends allein in Tønsberg unterwegs war, weil Verena krank war, ich aber trotzdem nicht zuhause sitzen wollte und so mit Catherine was trinken war. Später also ich alleine, kurz vorm Heimweg, bei McDoof, Milchshake geholt und zum Ausgang gedonnert.

Tür auf, Schock.

Mir ist fast der Becher aus der Hand gefallen, weil ich in jene blaue Augen geschaut hab, die ich nur zu gut kenne, aber seit 6 Monaten nicht mehr gesehen hab. Und eigentlich nie wieder sehen wollte. Da hatten wir den Salat. Da stand auf einmal der Ursprung von der ganzen Geschichte hier vor mir. Wo kam der auf einmal her?  War ja klar, dass sich das nicht ewig vermeiden ließ, wenn man in derselben Stadt wohnt, aber dass der mich gesucht hat, damit hatte ich trotzdem irgendwie nicht gerechnet. Gleichzeitig verabschiedeten sich bei mir vor Schreck auf einen Schlag sämtliche Norwegisch-, Englisch- und wahrscheinlich auch Deutschkenntnisse. Wie geht's dir so? (Bis jetzt ging's mir top, bis du aufgetaucht bist und mich durcheinanderbringst. Geh weg. ) Ach, mir geht's super, kann nicht klagen! Allegra würde mich jetzt wahrscheinlich mit der Dampfwalze jagen.

Man muss dazu sagen, dass dies das erste Wiedersehen seit einem halben Jahr Kontaktabbruch meinerseits aufgrund diverser Misstritte seinerseits war, nachdem die jahrelange (Alibi-)Freundschaft letztes Jahr in einen on/off-Super-GAU getümpelt ist und ich das alles eigentlich vollends hingeschmissen hatte. So hat es an diesem Samstagabend also wieder einigermaßen gepasst (Anmerkung nebenbei: Alkohol. VIEL Alkohol.), nur um dann am nächsten Tag wieder in einem Total-Desaster zu enden, bei dem alles Reden jetzt nicht mehr hilft, weil wir einfach auf keinen grünen Zweig mehr kommen, beide alle in unserem Umfeld seit Ewigkeiten damit genervt haben, wir sehr wir uns doch ankotzen und es bis zu diesem Zeitpunkt trotzdem immer irgendwie eine Neverendingstory geblieben ist, die die halbe Stadt mitbekommen hatte und jetzt keiner mehr hören kann - wir ab jetzt inklusive. Fazit also: Ende Gelände, aus die Maus, nie wieder ein Thema. Besser so.

Ansonsten fangen morgen die Herbstferien an. Das heißt: Eine Woche URLAUB! Die ich natürlich nutzen muss. Natürlich hätt ich auch durch Norwegen reisen können, aber dafür bleibt ja noch genug Zeit. Also geht's Samstag vier Tage in die Toscana. Familie und Sonne, ich brauch das jetzt einfach nochmal. Morgen Mittag geht's trotzdem erstmal nach Düsseldorf (Pfui!), weil es natürlich wieder keinen Direktflug gibt (an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Ryanair - ihr seid ne Drecksairline) und ich also dort wohl eine Nacht bei Freunden bleiben werd. Mal schauen, vielleicht hab ich ja doch noch kurzfristige Pläne morgen.  Und natürlich hätt ich auch heim nach Freiburg fahren können - aber mal ehrlich, was soll ich da? Ich bin doch grade erst los. Natürlich fehlt mir Freiburg wirklich sehr, aber ich denke, es ist umso schöner heimzukommen, wenn zur Weihnachtszeit vielleicht sogar schon Schnee liegt. Nix da, der Schwarzwald kommt erstmal ganz gut ohne mich aus.

Jedenfalls kommt am Donnerstag drauf erstmal meine Mama (ich hab schon mal einen Braunkäsevorrat angelegt  Mal gespannt, ob sie das Zeug runterbringt...) und dann sightseee ich sie ein bisschen durch die Telemark und Vestfold und vielleicht klappt ja auch Oslo am Samstag. Schauma mal.

In Skien findet heute im Studenhaus ein Oktoberfest statt. Das heißt: Erdinger, Weißwürste und Uffda-Buffda-Kapelle. Wenn ich mir das bei Norwegern vorstelle, finde ich das irgendwie zum Schreien. Hans meinte ja, ich müsse unbedingt kommen, da ich ja sozusagen sowas wie das Original-Corpus-Delicti bei dem heutig thematisiertem Land wäre. Aber die Zugverbindung zurück ist beschissen, also klappt das nicht und mir sein Gesülze nach 9 Bier die ganze Nacht bis morgens anzuhören, darauf bin ich heute auch nicht unbedingt scharf.

Verena fährt am Montag zurück nach Österreich, das heißt, mir geht meine Daily-Kaffee-am-Hafen Busenfreundin verloren und das ist schade. Trotzdem hab ich mir hier mittlerweile ein kleines, aber feines Netzwerk an netten Leuten aufgebaut,  außerdem gibt's ja noch meine Bagage in Skien und Porsgrunn und ich lern hier sowieso fast jeden Tag irgendwo neue Leute kennen... von daher ist das kein großes Problem.

Gestern waren Verena und ich in Verdens Ende (dt.: Ende der Welt), eine Schärenküste ca. 20 Minuten südlich von Tønsberg und das war einfach mal wieder fantastisches Bilderbuch-Norwegen. Auf der Fahrt dahin lief dann ein geniales Lied im Radio, das wir heute beide (synchron. und sogar auf die gleiche Weise. ) gesucht und auch gefunden haben und das mich jetzt für immer an Verdens Ende erinnern wird. Generell gibt's hier viele Lieder, die hier regelmäßig irgendwo laufen und ich weiß jetzt schon, dass das irgendwann, wenn ich wieder zuhause bin, so eine Art Soundtrack wird. Lieder, die man auf ewig mit bestimmten Erlebnissen verbindet.

Genau dieses Lied findet ihr dann auch in der - oh Wunder!  -Bildersection links im jeweiligen Album. Hier werd ich immer mal wieder was reinpacken.

Soweit mal für heute, ich verabschiede mich hiermit für die nächsten 5 Tage und wünsch euch ne schöne Woche.

Mange hilsen fra Tønsberg,

Romy

25.9.09 02:44, kommentieren

Hyttetur

Okay, ich dachte, das wird ein Kurztrip.  Stimmt eigentlich auch, nur, dass ich die Fahrzeit kürzer eingeschätzt hätte. Von wegen kurz hinter Porsgrunn, wir sind 5 h gefahren und jetzt mitten im Hardangervidda. Prima, ich will dieses Wochenende vor allem zum Bewegen nutzen, nachdem meine Gewichtskurve in den letzten Wochen durch den enormen Braunkäsekonsum ordentlich angestiegen ist.

Was ich bisher von Norwegen gesehen habe, waren Schären und Flachland. Das ist das erste Mal, dass ich nördlicher gelange. Hardanger. Ich sitze rechts hinten im Auto, wir sind 5 Leute. Kirsten, Torber, Kirstens beste Freundin Elisabeth samt Sohn und ich. Torber ist chronisch reisekrank und kotzt das halbe Auto voll, aber mir macht das nichts aus, ich sitze hinten rechts mit iPod und A-Ha im Ohr und starre versonnen in die Landschaft. Und dann sehe ich sie das erste Mal. Und bin sprachlos. Das, was Norwegen auszeichnet.  FJORDE! Ich hab so was bisher nur auf der Google-Bildersuche gesehen, das ist das erste Mal, dass ich Fjorde sehe. Richtig hohe Berge, bei denen das Schweizer Alpenmassiv neidisch würde - ich bin hin und weg, das ist einfach nur gigantisch und unbeschreiblich. Weite grün-graue, auslandende Erhebungen mit stillem, nahezu unbeweglich erscheinenden Gewässern inmitten dieser Berge. Zudem ist es zwanzig Uhr und die Sonne verliert sich dahinter. Magisch.

Unterwegs halten wir bei Bergby’s. (Toller Name...). Das ist eine norwegische Fast-Food-Kette und McDoof’s schärfster Konkurrent hier. Was willst du haben?, fragt mich Kirsten an der Kasse, während ich noch das mir völlig unbekannte Menüangebot studiere. “Äh…“ Meine Antwort wird gar nicht erst abgewartet, Zwei XXL-Menüs mit Cola, takk. Ade, Abnehmwochenende.  Madame zahlt mit der Visa und ich schaue auf den Kassenbon. Insgesamt knapp 55 Euro für fünf Personen. Holla die Waldfee, da wird der Zwischenimbiss zum Luxus.

Auf der Hütte angekommen bleibt mir erstmal die Luft weg. Ich habe eine Holzhütte erwartet, aber nicht so eine dermaßen stilvoll eingerichtete. Wie aus dem Bilderbuch. Alles farblich abgestimmt, Kamin, Felle überall, auch hier fehlen die Plasma-Bildschirme nicht, fünf Schlafzimmer, zwei Bäder, eine davon mit Sauna, eine Terrasse mit Kalenderbild-Aussicht. Hier lässt es sich mehr als leben.

Nachdem ich mich am Samstag erstmal richtig ausgeschlafen hatte - 12 Stunden, einfach nur genial - stand ich samt Kaffeetasse im Jogginganzug auf der Terrasse und sah mindestens 100 Kilometer weit gen Südwesten. Die Luft hier ist der Hammer. Wir sind hier mitten in der Pampa, man hört hier nichts. Gar nichts. Kein Auto, keinen Vogel, null. Man könnte hier eine Fliege husten hören. Fast schon unheimlich. Aber toll.

Am Nachmittag bin ich mit Kirsten und Elisabeth und einem Carlsberg Øl auf der Terrasse gesessen. Themen waren das Wetter in Norwegen, Deutschland und Italien, das Essen, wie man Weihnachten feiert und Männer, die sowieso alle Idioten sind.  Das war auch ganz schön, nur blieb es nicht bei einem Bier, sondern drei und außerdem einer Flasche Bailey’s. Pro Kopf, denn wir hatten - Betonung auf hatten - drei davon. Außerdem italienischer Vino aus der Toscana (und da kam dann auch ein bisschen das Heimweh). Das hatte zur Folge, dass ich beim anschließenden Abendessen (Chili con carne) nach einem halben Teller aufgegeben habe, auf den italienischen Wein fast verzichtet hab und mich erstmal für zwei Stunden ins Bett gepackt hab, sonst wäre mir das gleiche widerfahren wie Torber im Auto.

(Es ist jetzt 21 Uhr und die beiden sitzen immer noch auf der Terrasse und trinken. Irgendwie sind die Norwegerinnen geübter. Mir reicht’s jedenfalls für heute, sonst gibt’s wirklich noch ein Unglück hier.)Nach dem Frühstück heute habe ich mir Wanderschuhe geschnappt und los ging’s über Stock und Stein.

Ich kann euch die Aussicht nicht so richtig beschreiben, aber mir ist ein Musikvideo eingefallen, in dem der Hardangerfjord vorkommt und hier schaut’s genauso aus.  Wurde ja auch hier gedreht. Ist jetzt vielleicht ein bisschen kitschig, aber ich gebe zu, dass ich dann doch das Lied kurzzeitig beim Wandern gehört hab und ein bisschen grinsen musste, weil ich mir das zu oft auf MTV angesehen hab und daran gedacht hab, irgendwann hier zu sein. Stilecht. Wann kriegt man so was schon mal wieder?

Ja, das ist Norwegen. Und trotz all dem Stress, den ich die ganze Woche über habe - in solchen Momenten weiß ich, warum ich hierher gekommen bin.

Übrigens werd ich heute Abend jede Menge Bilder hochladen für euch. Also seid gespannt.

Mange hilsen fra Norge,

Romy

1 Kommentar 8.9.09 00:44, kommentieren

Skole!

Heute war mein erster Schultag. Was? Ja, ich mach einen Sprachkurs. Und nicht irgendeinen, Kirsten hat mir gleich den Intensivkurs für viermal die Woche in Tønsberg aufgedrückt. Da musste ich erstmal schlucken. Viermal die Woche dreieinhalb Stunden, das ist schon heftig. Alles klar, bis Weihnachten hab ich die Sprache drauf. Aber wie Walter heute nüchtern meinte: Von nichts kommt nichts. Das stimmt wohl, aber das hat auch den Vorteil, dass ich endlich öfters in die Stadt komme. Über Nacht war ich allein in diesem schicken Haus, Kirsten war mit dem Schiff in Schweden und ich hab Mikrowellenpopcorn (das Salzzeug kann man auch zuckern. Was nicht so schlimm wäre, würde man nicht gleich ein halbes Kilo davon brauchen, damit es auch entgegenwirkt.) gemacht, mich vor den Plasma gefläzt und Nytt på Nytt geschaut, dazwischen regelmäßig zum Kühlschrank gependelt. Fantastisch.

Heute morgen wache ich um 8:13 auf und stehe im nächsten Moment auch schon am Schrank.  Verpennt. Dreck, Dreck, Dreck. Also runtergedonnert, in Lichtgeschweindigkeit Klamotten an und das Bad passiert, Braunkäsebrot auf dem Weg zum Bus und auf geht's. Um Neun sitze ich dann in meiner neuen Klasse. Hallo, ich bin neu. Déjà-Vu, ich fühle mich nostalgisch, dieses Gefühl hatte ich schon öfter. Aber hier ist das echt interessant. 16 Leute aus aller Herren Länder, Brasilien, Litauen, Ukraine, Argentinien... teilweise Immigranten, die den Kurs belegen müssen, weil sie hier sonst keine Aufenthaltserlaubnis bekommen. Außerdem hebe ich den Altersdurchschnitt leicht an.  Natürlich bin ich die einzige Deutsche und muss erstmal eine Vorstellrunde auf Norwegisch mit lauter kuriosen Worldwide-Slangs über mich ergehen lassen. Das ging irgendwie nicht ohne ein Grinsen, weil das echt lustig war. Wir schlagen jetzt Seite 31 im Lehrbuch auf. Scheiße, das ist ja wirklich wie in der Schule. Na, hätte ich damals nur einen Brocken meiner heutigen Motivation gehabt. Ein Text-Rollenspiel. Ich spiele Grete und darf vorlesen. Oh Gott. Zu meiner Überraschung bekam ich kurz darauf ein korrekturloses "Helt perfekt!" (Ganz perfekt!) von der Lehrerin, die sichtlich beeindruckt von meiner Aussprache war. Nase hoch. Ha. Wer sagt's denn. Mal mir ein Sternchen ins Heft.

In der Pause freunde ich mich mit Erin aus Las Vegas (zum Henker, warum um Himmels Willen zieht man aus Nevada nach Norwegen?) und Cathryn aus Kenia an. Mit letzterer, 23, war ich nach dem Unterricht noch einen Kaffee trinken und habe festgestellt, dass sie nur eine Straße weiter wohnt. Genial. Da komm ich doch glatt mal vorbei die Woche.

Zuhause mache ich dann im Kühlschrank die Entdeckung des Jahrhunderts: Braunkäse zum Aufstreichen. FETTARM! Revolutionär, gleich mal 3 Brote vernichtet. Kurze Zeit später kam dann auch Kirsten zurückgehumpelt (hat ja z.Zt. nen kaputten Fuß, die sich gefreut hat, dass alles so sauber ist. Geil, ein Motivationsschub nach dem anderen heute. So haben wir uns erstmal mit meinem Kalender und nem Kaffee in die Küche gesetzt und sind auf mein Bitten meinen Wochenplan mal durchgegangen, außerdem haben wir die Ferien besprochen. Da wurde es dann richtig genial.  Normalerweise hat ein Au-Pair 25 Ferientage. Kirsten eröffnete mir dann aber mit einer abwinkenden Handbewegung, dass ich zeitgleich mit Torber Ferien habe, also, wenn ich auch Schulferien habe. Betrachtet man das genauer, ist das einfach nur geil. Das sind Herbstferien, Weihnachtsferien, Winterferien, Osterferien und dazwischen noch einzelne Feiertage - insgesamt über 40 Ferientage, an denen ich nach Herzenslust reisen und faulenzen kann oder an der regelmäßigen Hyttetur der Familie teilnehmen darf.  Besser kann's einen doch gar nicht treffen. Und als mir die gute Frau auch noch knappe 100 € für meinen Geburtstag vorgestern in die Hand gedrückt hat, war mein Tag wirklich perfekt.

Morgen also Schule und dann Shopping.  Die Läden hier sind der Hammer und ich brauche dringend warme Sachen. Um halb Fünf geht's dann auf zur Hyttetur in die Telemark, ich bin also bis Sonntag weg und lasse dann von mir hören. MIT BILDERN! Es schüttet draußen leider immer noch und hört irgendwie nicht auf, da kriegt ihr einfach einen falschen Eindruck von Norwegen, weil's wirklich eklig aussieht mit diesem Wetter. Sollte mich dennoch bisschen beeilen damit, denn für Oktober rechnen sie mit Schnee. Ganz toll.

Jetzt habe ich Verena am Telefon, die die ganze Woche in Sandvika (vor Oslo) arbeitet, trinke noch meine heiße Schokolade aus und ab in die Falle. Und dann geht's morgen frisch ans Werk. Wird wohl ein lustiges Wochenende.

Bis dahin mange hilsen,

Romina

3.9.09 21:49, kommentieren

Geburtstagsstress

So. Erstmal vielen herzlichen Dank für die ganzen lieben Glückwünsche, da hab ich mich hier oben sehr drüber gefreut. Prima, jetzt bin ich alt.

Mein Tag gestern war eigentlich purer Stress, weshalb ich heute wirklich nur noch zum Wegwerfen bin. Bis ich gestern mit allem fertig war hier und mal zum Duschen gekommen bin, war es halb fünf, um sechs kam Verena kurz vorbei. Eigentlich hatten wir ja vor, in Tønsberg zu feiern, aber irgendwie bin ich auf die Idee gekommen, dass ich jetzt bald zwei Wochen nicht mehr in der Telemark war und die Leute in Skien gern wiedersehen würde. Also hab ich nach Busverbindungen geguckt und ich sage euch, das ist echt ein Abenteuer hier, rauszukommen und vor allem wieder zurück. Der letzte Zug nach Hause war nämlich ein Witz: 20:30. Ja toll? Eine Stunde Zugfahrt für eine Stunde feiern?  Aber da ich auch nächstes Wochenende schon verplant bin, kam Verschieben für mich nicht in Frage.

Ich wollte da also hin. Blieb mir also für eine Wahl? In den saueren Apfel beißen und den ersten Zug um 03:30 zu nehmen. Und 5 war ich zuhause, um 7 auf den Beinen und natürlich sehe ich auch dementsprechend aus. (Kirsten meinte, ihr ist das egal, wie lang ich ausbleibe. Solang ich zeitig auf der Matte stehe.) Naja, stehen geht gerade noch so, aber meine Navigation ist noch ein bisschen eingeschränkt.

Toll war's trotzdem. Ich hab in Porsgrunn ein paar Leute von dort getroffen und dann kamen noch die drei Jungs aus Skien, also Hans, Kenneth und Chris, mit denen ich echt nen Glücksgriff gemacht hab. Wir saßen ungefähr von acht bis zwei zusammen und ich muss sagen, ich liebe die Kerle total. Ich weiß auch nicht, ob das noch normal ist, dass ich so gern mit Jungs unterwegs bin, aber das macht einfach Spaß mit denen.  Meine Bilanz waren dann bescheidene sieben Bier, worüber ich hinterher selbst über mich gestaunt hab. Für einen Deutschen, mitten unter der Woche, eine hohe Zahl. Für einen Norweger? Papperlapapp, das ist nur der tägliche Alltrags-Kompakt-Suff. Aha. Täglich. Wenn ich das täglich machen würde, wäre ich physisch wie psychisch wohl schon längst weg vom Fenster.  Aber ja, man hat ja nur einmal im Jahr Geburtstag, nech. War trotzdem sehr schön, wenn auch ungewohnt, mal ganz woanders zu feiern.

So, jetzt muss ich hier noch ein bisschen was machen, sonst komm ich gar nicht mehr in die Gänge heute. Wetter ist immer noch zum Davonlaufen. Wenn's mal aufhören würde zu regnen, hätte ich endlich mal Bilder für euch...

Ich halt euch auf dem Laufenden. :-)

Mange hilsen,

Romy

1 Kommentar 2.9.09 13:39, kommentieren

Kleines Goodie =)

So, da es heute regnet und ihr auf schöne Bilder verzichten müsst, bekommt ihr ein kleines, hier sehr bekanntes Liedchen als Entschädigung. Das hier ist so eine Union der bekanntesten norwegischen Künstler (darunter Lene Marlin - die ich LIEBE und unbedingt mal live sehen will, Kurt Nilsen (hatte vor 5 Jahren den Hit She's So High bei uns, Sissel, Espen Lind, usw.).

Venn (dt. Freund = jeg kan være en venn = Ich kann ein Freund sein) war das erste norwegische Lied, das ich kannte, generell das erste Norwegisch, das ich je überhaupt gehört hab und - im Gegensatz zu letztem Jahr - inzwischen für mich leicht zu verstehen ist. Irre, wenn man den Sprachfortschritt nach langer Zeit so bemerkt. (Wenn ihr euch anstrengt, hört ihr aber ein paar Worte ähnlich zum Deutschen raus. ) Mich persönlich erinnert das Lied bei jedem Hören sehr an den Sommer 2008 - aber das dürften die meisten von euch ohnehin wissen.

1 Kommentar 31.8.09 12:29, kommentieren

Volltreffer.

Echt, ich bin sowas von sprachlos. Diese Family hier ist mit Abstand das Beste, was mir passieren konnte. Das fing schon gestern genial an: Ich komm abends um Fünf an, liegt Kirsten (Mutter, alleinrziehend, 45) erstmal auf dem Sofa auf der Terrasse, Decke drüber, Kippe in der Hand. "Oohjee, ich hab einen Schädel. Wir haben bis um 6 gesoffen gestern, ich bin sowas von fertig. Wir bestellen jetzt erstmal Pizza, ich hab keinen Bock zu kochen!" Schon gewonnen. Allein DIESE Aussage hätte ich in Skien in 20 Jahren nicht gehört. Da trocknet eher der Oslofjord aus.

So, jetzt zum Thema Pizza, das ist nämlich auch kurios hier. Bisher war ich natürlich wie jeder normale mitteleuropäische Mensch der Annahme, dass 20 Euro für eine Pizza echt happig sind. Als die beiden Pizzen aber eintreffen, stelle ich fest, dass das hier Kingsize-Pizzen à 50 cm sind. Dazu wird in Norwegen vorwiegend Hvitløksaus, also Weißzwiebelsauce (so eine Art Sourcream-Brühe) gegessen. Die wird gleich in 3 Paketen mitgeliefert. An so einer Mordspizza können also locker 3 Leute essen und so war das auch. Genial. Pizza, Cola und hinterher Kuchen auf dem Tisch. Es war windig, aber in einer Lammkuscheldecke auf diesem genialen schicken Sofa auf der Terrasse (unter einem Heizpilz) hat sich das echt aushalten lassen. Der Jacuzzi im Garten wird auch irgendwann getestet. Da freut man sich doch richtig auf den Winter.

Die Frau ist wirklich genial, vor allem ist sie junggeblieben und geht gern weg. Und meinte, am Wochenende geht's auf eine hyttetur in die Telemark (hinter Skien, hurra!), ob ich Lust hab, mitzukommen. Ja, aber hallo! Hyttetur sollte man in Norwegen mal mitgemacht haben. Das ist auch was Traditionelles hier, besonders Jugendliche gehen gern mal für ein Wochenende auf eine hytte, die meist auf irgendeinem Fjell (Hochebene) liegt, um sich da in freier Pampa mal richtig die Kante zu geben. Prima, Wochenende also verplant.

Ansonsten ist das Haus wie gesagt der Burner. 3 Etagen, die Einrichtung ist ein Traum. Es gibt im Haus verteilt 3 Plasma-Screens, einer davon im Bad und einer in der Küche. Zudem haben die hier die größte Badewanne, die ich je gesehen hab. Mit eingebauten Sitzen und Massagefunktion. Und Lichtorgel.  Badezimmer-Diskothek also. Ich wusste gar nicht, dass es so was überhaupt gibt. Mein Zimmer hat 30 m² und ich hab ein eigenes Bad - das ist das Beste.

So also heute der erste Morgen, was völlig ungewohnt war. Erstmal eine SMS von Kirsten: Schlaf dich ruhig aus, ich bring Torber weg. Wenn du heut bisschen Wäsche zusammenlegst, reicht das schon.  Okay? Gut. Gehe aber trotzdem mal runter. Soll ich nicht mal Frühstück machen? Nein. Soll ich heute Abend kochen? Nein, das kann Kirsten selbst. Putzen? Auch nicht. Äh - Wozu bin ich denn eigentlich hier?!

So bin ich jetzt alleine und sitze in der Küche. Hab erstmal nen Kaffee gemacht (ui, Vollautomat. Wie daheim!) und dann mal den Kühlschrank inspiziert. Mein Lieblingsthema.  Auch der Kühlschrank ist kingsize, der geht nämlich um die Ecke (ohne Witz, ich kann mich reinstellen und die Tür zumachen. Echt jetzt. Ich hab's eben getestet. Wo gibt's denn sowas, verdammt nochmal!) und ist vollgestopft mit aller möglichem Scheiß. Generell ist die Küche hier proppevoll mit Essen, und zwar in jeder Ecke. Ich finde 3 verschiedene Sorten Cracker, Schoko- und Karamellsoßen, Smoothies, um die 15 verschiedenen leckeren ungesunden Getränke, leckere Sachen ohne Ende.  Oh Gott, ich glaub, ich bin im Schlaraffenland. Ich werde hier zunehmen und durch Norwegen rollen. Das ist doch mal ein Unterschied zu Tonje, die ihren 3 Töchtern morgens 4 Vitamintabletten hingelegt hat und dazu Leitungswasser und nur 100% Vollkornprodukte. Ja, es geht auch anders.  Das hier ist die Art gesunder Ernährung, die ich bevorzuge. Zum Frühstück also Kaffee und mal testweise Cracker mit Karamellsoße. Ups. Zu spät festgestellt, das waren Olivencracker.  Naja, ist ja noch früh am Morgen.

Was mach ich also jetzt? Es muss doch irgendwas zu tun geben hier.  Ich könnte ein bisschen saugen und die Wäsche zusammenlegen und dann kann ich relaxen, weil das Haus ansonsten blitzblank ist. Um fünf Torber von der Schule abholen, dann hab ich Feierabend. Ist das hier Urlaub, verdammt nochmal?! Ich brauch Aufgaben!

Wie auch immer, die Familie ist jedenfalls ein Volltreffer, meine Woche ist relaxed, das Wochenende verplant. Morgen werd ich 21 (oh Gott.) und da hab ich den Nachmittag frei und kann einen trinken gehen am Abend, meinte Kirsten. Prima, dann geht's nach Tønsberg, hoffentlich kommen ein paar Leute aus Skien. Auch, wenn's komisch ist, nicht daheim zu sein. Aber ich geh ja jetzt auf die 30 zu, da kann man dann schon mal auswärts feiern, nech... ;-)

Soviel mal zu heute.

Veldig mange hilsen fra Norge,

Romy

(Ach ja, ich wollte Bilder hochladen. Aber das Wetter ist gerade beschissen. Wenn's heute noch sonnig wird, pack ich nachträglich welche hier rein.)

1 Kommentar 31.8.09 09:11, kommentieren

Norwegische Namenskunde

Gestern Abend waren Verena und ich in Tønsberg unterwegs. Wäre auch ganz nett gewesen, wenn's nicht in Strömen gekübelt hätte. Wahnsinn, das Wetter hier im August. Wir also jedenfalls mit dem letzten Bus von Skallevold rein in die Stadt und runter zur Hafenpromenade. Dann erstmal ins Baku, Hauptsache weg von dem Sauwetter. Drinnen trafen wir auf Lars. Lars ist so Ende dreißig, der typische Durchschnitts-Skandinavier mit Sinn für schöne Möbel (nein, nicht IKEA) und schöne Tage und ein guter Freund von Verenas Bruder. Während die beiden also im Akkord Sekt gebechert haben, hab ich erstmal ein recht amüsantes Gespräch mit einem anderen Kerl mit dem göttlichen Namen Thor (zu Namen gleich mehr) am Nebentisch geführt, der der festen Überzeugung war, die Norweger wären ja das reisefreudigste Volk überhaupt und ja sowieso Wikinger und somit die Weltenbummler schlechthin.  Soso. Und wo warst du denn überall? Die Fernreise ging nach Fuerteventura. Das ist natürlich beachtlich.  Naja, der Nordeuropa-Bonus, das lassen wir mal gelten.

Jedenfalls war ich froh, dass ich aufgrund der männlichen Begleitung nicht bezahlen musste. Da war ich ohne Scheiß wirklich froh drüber, nachdem ich die stolze Rechnung für 3 Bier und 3 Jägermeister in der Hand hatte: Knapp 40 Euro. Hm, bescheiden.  Ausgehen sollte ich hier oben wohl langsam aber sicher mal in die Luxuskategorie einordnen.

So sind wir dann erst gegen 5 im Bett gewesen. Allerdings nicht im eigenen, denn Verena konnte natürlich nicht mehr fahren, so sind wir bei Lars geblieben, der im Zentrum eine (extrem stylische, puristische, Cousin Simon wäre entzückt!) Wohnung besitzt und mehrere Schlafzimmer. Sehr schön. Danach noch ein 7-Euro-Frühstück am Hafen gegen 11:30 (zwei Spiegeleier auf Toast, Bacon, 2 Tomaten und ein Salatblatt inkl. Kaffee) und dann ab nach Hause.

Aber zurück zum Thema, da möchte ich doch mal genauer auf die skandinavischen Namen eingehen. Hier gibt es nämlich allerhand kuriose Namen, bei denen selbst ich am Anfang erst nochmal nachfragen oder gar lachen musste. Kleine Warnung vorneweg, ihr stellt euch die Namen am besten nicht bildlich vor, dann geht's einigermaßen. ;-) Zu meinem bisherigen Gruselnamens-Sammelsurium gehören also bisher folgende - und ich betone, durchaus GÄNGIGE - männliche Modelle:
Øyvind (oder auch Eivind), Dag (-obert? ), Kolbjørn, Oddgeir und - Achtung festhalten, als absolute Krönung: Asgeir. Da hab ich mich persönlich beim ersten Lesen weggeschmissen. Weiß der Geier (höhö, Wortspiel), wie man das ausspricht.

Mädchen haben hier vorwiegend Namen, die bei uns nur noch in der älteren Generation oder überhaupt nicht mehr gängig sind. Wie beispielsweise Hilde, Grete, Lene, Martha, Margarethe. Ganz komischer Fall ist auch Pernille. Davon kenne ich hier schon drei. Aber eigentlich ganz schön, hier ist das wohl alles bisschen traditioneller. :-) Und ehrlich gesagt ist mir das zehnmal lieber als unsere deutschen Wannabe-Amerikaner namens Kevin-Justin oder Mandy-Chantal Drückeberger oder wie auch immer.

Morgen also Einzug in Tønsberg, dann geht's endlich mal mit ein bisschen mehr Action weiter. :-) Und dann dürfte ich, wenn alles klappt, auch mit meinem Notebook online können und euch endlich mal ein paar Bilder zukommen lassen.

Hilsen fra

Romy

29.8.09 22:40, kommentieren

Tohuwabohu

Nein, ich bin nicht gestorben und auch nicht im Fjord abgesoffen.  Hier bin ich wieder! Jetzt komme ich endlich mal zum Bloggen, nachdem die ganze letzte Woche ein einziges Durcheinander war.

Gleich mal vorneweg, ich bin nicht mehr in Skien. Oha? Das hat viele verschiedene Gründe, aber vor allem, dass mir letzte Woche aus heiterem Himmel eröffnet wurde, dass meine Familie Ende November nach Bergen an die Westküste ziehen will.  Aha? Bitte? Ganz toll. Und ich? Gehe mit Sicherheit NICHT mit. Das ginge auf keinen Fall, da ich hier im Süden bleiben will. Telemark oder Vestfold, weiter geh ich nicht weg, da war ich stur. Ich hab hier meine Freunde, mein Netzwerk, ich fang nicht irgendwo anders bei Null an. Zurück nach Deutschland? Tonje hätte mir den Flug auch bezahlt. Das schlug mir dann Lene vor und dagegen protestierte ich dann noch vehementer. Kommt gar nicht in die Tüte! So schnell kriegt mich nichts aus Norwegen raus, da wird nicht einfach aufgegeben.

Also musste eine neue Familie her. Nachdem ich zwei Tage lang wie eine Blöde auf jeder Au-Pair-Seite gepostet hatte und ungefähr gefühlte 20 Familien angerufen habe, hatte ich schließlich zwei Termine in Tønsberg, Vestfold. Zwar näher an Oslo, aber auf keinen Fall in Oslo. Da wimmelt es zwar von Angeboten, aber so weit wollte ich nicht weg. So gab es Diskussionen ohne Ende und ich hab Samstag Abend ziemlich entnervt meine österreichische Freundin Verena angerufen und sie hat mich mit Sack und Pack abgeholt und damit war ich dann erstmal weg aus Skien.  Was soll ich denn machen? Hier gibt es kaum Familien und die zwei hier waren die einzigen, die jemanden wollten - das allerdings ab sofort. Blieb mir also nichts übrig, als nach Tønsberg zu tigern. 45 km westlich und ich war erstmal ziemlich angekotzt.

Jedoch stellte sich diese Stadt, in der ich vorher noch nicht mal gewesen bin, in der folgenden Woche als absoluter Glücksgriff heraus: Zwar hat dieses ulkige Städchen hier am Meer nur 30.000 Einwohner, dafür eine lebendige - zu meiner Überraschung weitaus mehr lebendigere als die 50.000-Leute-Stadt Skien - Innenstadt mit einem riesigen Einkauszentrum (Pluspunkt!), einer langen Hafenpromenade voll mit Clubs und Bars (Pluspunkt!), einem Sandstrand (Pluspunkt, wenn auch momentan arschkalt!) und der Nähe zum Flughafen (15 Minuten, ganz dicker Pluspunkt!  Leute, kommt her!).

So bin ich jetzt also über die Woche bei Verena in einem Ferienhäuschen in Skallevoll, einem Randbezirk von Tønsberg. Diese ist Halb-Norwegerin und urlaubt zur Zeit im Haus ihrer Eltern und findet entweder auch bald einen Job hier oder geht zurück nach Tirol. Das wär schlecht. Also tun wir uns zusammen hier.

Wie auch immer, ich hatte am Ende zwei Zusagen von Top-Familien, bei denen mir die Entscheidung wirklich total schwer fiel: Die eine war eine alleinerziehende Mutter, Chefin von einem Color Line Schiff (ja, das sind diese dicken Dampfer, die von Kiel aus losschippern) mit einem Sohn. Mehr oder weniger bescheidenes Häuschen, 3 Autos, Yacht im Hafen, Jacuzzi im Garten. Nicht übel. Die zweiten Kandidaten wollten mich ebenfalls haben: Alleinerziehender Papa mit zwei Kindern, altes Bauernhaus aus dem 19. Jahrhundert mit einem Zimmer, bei dem Verena und mir echt die Schublade runtergefallen ist (Kronleuchter, offener Kamin, bodenlange Fenster - Stolz und Vorurteil lässt grüßen, Allegra wäre mit Sicherheit umgekippt. )  Aber das soll ja nicht Grund sein. Hab mich also für Familie Nr. 1 entschieden, weil das schlagende Argument Bushaltestelle vor der Tür (man muss ja mobil sein) und vor allem Gästezimmer (O-Ton: "Du kannst Besucher haben, wann immer du willst!" mich überzeugt hatten. Das hätten wir also auch gelöst. Siehste, hätte ich in Skien nicht gehabt.

Prima, nun wohne ich also in Tønsberg, Sonntag ist Einzug. Und fast schon ein kleines bisschen ironisch, dass ich ausgerechnet hier lande. (Wir wissen ja, wer hier wohnt. Hans ist in Skien nur das Bierglas aus der Hand gefallen, als ich ihm das erzählt hatte). Mir blutet zwar wirklich das Herz, das ich aus Skien weg bin, aber geht wohl nicht anders, wenn ich im Süden bleiben will. Ich weiß zumindest jetzt schon, dass ich wohl fast jedes Wochenende rüberfahren werd, um meine Freunde zu sehen, auch wenn ich mir hier wohl genauso nach und nach ein Netzwerk aufbauen werde. Und auch, wenn die Stadt hier um einiges sehenswerter ist und Besucher aus Deutschland hier wenigstens ein bisschen ;-) was angucken können, hängt mein Herz doch an der Stadt, in der ich einfach immer schon war, seit ich nach Norwegen kam. 

Morgen Abend geht's jedenfalls erstmal wieder ins Nachtleben - wie letztes Wochenende - das ist hier ebenfalls superschön (wie gesagt: Direkt am Hafen! Fantastisch! Miami Vice Feeling vom Feinsten! Na gut, müsste ein bisschen wärmer sein, aber nach ein paar Aquavits passt das schon... ).

Ich hab noch einige Erlebnisse zu berichten, aber für heute sollte es mal reichen. :-) (Sonst beschwert sich Steffen wieder, dass ich so viel schreibe. Leset mehr und bildet euch.)

Das Wichtigste ist für mich jedenfalls, dass ich in Norwegen bin. Deutschland kommt für die nächste Zeit glaub ich wirklich ganz gut ohne mich aus - ich will momentan einfach nur hierbleiben. Und das werde ich auf jeden Fall irgendwie hinkriegen - so oder so.

Mange hilsen fra Norge,

Romy

1 Kommentar 27.8.09 16:25, kommentieren

Wonderwall

Wort des Tages: Sjoko-Kake (Schokokuchen)

Ich sitze auf dem Sofa und schaue Punkt 9 auf RTL, um noch ein bisschen mitzukriegen, was in Deutschland so los ist. Und wie kühlen Sie sich bei dieser Hitze ab? Leute, kommt nach Norwegen! Hier habt ihr einen Top-Sommer! Draußen herrscht jetzt Nebelsuppenwetter. Ich glaube, ich bin noch nie im August mit Mantel aus dem Haus. Ich staubsauge jetzt jedenfalls gleich erstmal und mache mir dann meine Lachs-Pesto-Penne warm (die übrigens genial geworden sind, aber vielleicht war 1 kg doch ein bissel viel).

Außerdem habe ich heute neben meinen Halsschmerzen (scheiß Wind) einen ganz derben Brand. Das kommt daher, dass ich gestern Abend mit Hans, Steffen (Pedersen, da grüß ich doch mal meinen fast gleichnamigen Cousin) und Reinert unterwegs war. Irgendwie kommt das wohl von alleine, dass ich genau wie in Deutschland viel lieber mit Jungs unterwegs bin. Bisher mein schönster Sommerabend, auch wenn es kühl war. Denn wir waren außerhalb von Porsgrunn in einem Studentenhaus, wo ein Konzert stattfand, viele Leute drinnen und draußen herumstanden, im Garten auf vielen Bänken geredet und gelacht und ordentlich Øl (ja, das ist das norwegische Wort für Bier) gekippt wurde. Und das dienstags. So. Wenn du da erstmal dabei bist, ist nichts mit einem Bierchen und gut ist. Dir wird einfach immer eine neue Flasche Øl hingestellt, ganz egal, ob die alte schon leer ist oder du unterm Tisch liegst. Ich weiß ehrlich gesagt auch gar nicht mehr, wo das ganze Bier herkam. Nach dem fünften Carlsberg hab ich dennoch aufgehört, sonst wäre ich heute nicht aus dem Bett gekommen. Und bezahlen lassen hat mich irgendwie auch keiner, ich durfte nicht mal die Busfahrkarte, geschweige denn das Taxi, das mich 10 km nach Hause gebracht hat, übernehmen.

So hatte ich viel Spaß, irgendwann saßen wir zu acht am Tisch und ich hab mich weggeschmissen vor Lachen über Maria, die rotzevoll war und einen so derben Schluckauf hatte, dass sie keinen Satz ohne Hicks zustande brachte.

Die norwegischen Mädchen sind sehr anders als die deutschen (mal abgesehen von dem typischen skandinavischen Gesicht mit den hohen Wangenknochen). Sie sind vor allem sehr emanzipiert, laut und selbstbewusst. Ich bin jetzt einfach mal etwas gemein und verallgemeinere die Mehrheit zu einem Gesamtfazit: Die durchschnittliche Norwegerin ist sehr kurvig, wiegt ca. 70 kg, geht sehr gerne ins Solarium und färbt entweder die ohnehin meist schon blonden Haare mit Wasserstoffperoxid oder ganz dunkelbraun. Als Kleidung trägt sie gerne sackartige Tuniken, ausladende, derbst unvorteilhafte, auftragende Kleidchen (das ist echt irre, wie sich das hier verbreitet hat) oder weite Hängerchen über Leggins/extrem engen Röhren, in denen die Beine aussehen, als wären sie gleich mit eingenäht worden. Trotzdem sind die meisten sehr hübsche Mädchen.

Ich war also das tyske jente, das deutsche Mädchen und somit ein kleines Event. Einige demonstrierten auch gleich hochentzückt ihre Deutschkenntnisse: Oktoberfest, Sauerkraut, Kartoffel, Hitler, Blitzkrieg. Bewundernswert.

Themen am Tisch waren aber vor allem die Sprache, die Dialekte, die Kulturen, die Unterschiede. Und auch dieses Volk hat einen ausgeprägten Nationalstolz („Du weißt, wir sind nun mal Wikinger!“ - und die Schweden seien eh Deppen). Norweger sind allgemein eigentlich eher skeptisch gegenüber neuen Leuten, aber wenn man sich erstmal richtig anfreundet, hat man unter Garantie einen Freund fürs Leben. Das ist schön und bei den Deutschen leider oft nicht der Fall. Auf jeden Fall habe ich viele neue Leute kennengelernt und da so zu sitzen, in Norwegen zwischen den ganzen Studenten - die Atmosphäre ist einfach ganz anders als in Deutschland, die Leute netter und es passt einfach alles zusammen. (Studenten zuhause, macht bitte ein Auslandssemester hier!)

Vorhin habe ich die Kids weggebracht und bin auf dem Rückweg in der Sonne durch die morgendliche Nachbarschaft geschlendert, Oasis‘ Wonderwall im Ohr, mein Schatten auf der Straße. I don‘t believe that anybody feels the way I do about you now. Blick auf den Bratsberg. Dabei fiel mir auf, dass ich exakt dasselbe auch letzten Oktober dort oben gemacht hatte, als ich das erste Mal hier war. Selbes Lied, selbe Uhrzeit, selber Sonnenschein. Jener war auch der Morgen gewesen, an dem ich beschlossen hatte, hier irgendwann mal länger zu bleiben. Und mir fiel außerdem auf, dass das schon wieder fast ein Jahr her ist. Und hier bin ich nun wirklich.

Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergangen ist und wie viel sich seitdem verändert hat. Damals war ich nicht unbedingt glücklich, als ich die Straße entlang gelaufen bin, eher das Gegenteil.

Ja, es hat sich viel verändert, vor allem der Grund, warum ich hier bin. Wäre ich aber damals nicht hierhergekommen, hätte ich womöglich dieses Land nicht entdeckt, hätte meine Freunde hier nie gekannt und wohl die wahrscheinlich beste Zeit meines Lebens verpasst.

And after all, you‘re my Wonderwall.

Heute musste ich lächeln.

Ha det bra,

Romy

20.8.09 20:36, kommentieren